Das Golf-Masters in Augusta feiert sein 80-Jahr-Jubiläum – mit dem grünen Jackett, der Flora, Fauna und seiner Entstehungsgeschichte bleibt es aber für immer ein Evergreen.

 von SENTA WINTNER  (Die Presse)

Wie jedes Jahr zur ersten vollen Aprilwoche werden auch heuer hunderte TV-Reporter, Journalisten, Fotografen und tausende Golffans in die Kleinstadt Augusta im US-Bundesstaat Georgia pilgern. Am 10. April beginnt das erste Major-Turnier des Jahres, den Sieger erwartet nicht nur das grüne Jackett, sondern auch ein Scheck von über 1,3 Mio. Dollar (942.000 €). Das Event ist auch ohne Tiger Woods, er fehlt wegen einer Rückenoperation, ein Hit. Denn heuer feiert der Augusta National Golf Club das 80-Jahr-Jubiläum seines Turniers, des prestigeträchtigsten der Welt.

Abseits der Turnierwoche ist der Zutritt zum Gebäude am Ende der mit 61 Magnolien gesäumten Straße exklusive den rund 300 Mitgliedern, darunter Wirtschaftsgrößen wie Warren Buffet und Bill Gates sowie einigen Ex-Präsidenten vorbehalten. Seit vergangenem Jahr sind auch Frauen als Mitglieder zugelassen, aber nur auf Einladung und gegen eine der Öffentlichkeit nicht bekannte Gebühr. Ex-US-Außenministerin Condoleezza Rice fand als Erste Aufnahme.


Allüren, Rituale, ein Fehlkauf.
 Seine Ausnahmestellung gestattet es dem Augusta National Golf Club an so manch verschrobener Allüre festzuhalten. Inzwischen sind diese sogar längst elementarer Bestandteil des Turniers. So wird seit Jahrzehnten am Ritual vom Eröffnungsdinner des Titelverteidigers bis zum Anlegen des Siegerjacketts festgehalten, den Fans – stets als Gast (engl. „patron“) und nie als Zuschauer bezeichnet – sind weiterhin elektronische Geräte auf dem Gelände untersagt. Auch das Laufen wird mit einem sofortigen Platzverweis geahndet.

Aus sportlicher Sicht entscheiden nach wie vor 19 Kriterien über einen Platz im mit Abstand kleinsten Teilnehmerfeld aller Majors. Die Qualifikation gilt als Ehre – das war in den Anfangsjahren ganz und gar nicht der Fall. Es war im Jänner 1933, als Robert Jones, eine Legende im US-Amateurgolf, mit dem Wall-Street-Broker Cilfford Roberts den Golf Club eröffnete. Das Projekt schien anfänglich aber unter keinem guten Stern zu stehen, 70.000 Dollar hatte das Duo für den Grund einer früheren Indigoplantage bei Augusta gezahlt. Das Holz der gefällten Bäume wollte aber niemand kaufen und die ersten Rundgänge auf schlammigem Terrain bei winterlichen Temperaturen schreckte die wenigen potenziellen Investoren ab.

1934 steckte der Golfklub bereits in größeren finanziellen Schwierigkeiten. Ein Jahr nach der Eröffnung beliefen sich die Greenfee-Einkünfte an guten Tagen auf 48 Dollar. Roberts‘ detaillierte Aufzeichnungen aus jener Zeit offenbaren, dass sogar für Toilettenpapier das Geld fehlte. In eindringlichen Briefen bat er Gläubiger um Aufschub, um die für Ende März angesetzte Turnierpremiere nicht zu gefährden. Mit dem Einladungsturnier wollte er seinem geliebten Sport etwas zurückgeben, an einen Bewerb von Weltformat glaubte er damals aber offenbar nicht. Der studierte Maschinenbauingenieur sprach sich sogar gegen den Vorschlag seines Partner Roberts aus, das Turnier „Masters“ zu taufen. Dies erschien ihm allzu anmaßend und übertrieben.

Die offizielle Umbenennung sollte erst fünf Jahre später erfolgen. 72 Teilnehmer traten am 22. März 1934 also zur Premiere an, darunter 14 Amateure und Jones selbst. Vier Jahre nach seinem Karriereende gab der damals 32-Jährige ein Comeback, in der Hoffnung, das geringe Medieninteresse zu steigern. Trotz seiner guten Vernetzung in der Branche fand sich nur eine Handvoll Journalisten ein. Kaliber wie die „New York Times“ verzichteten auf das Erscheinen – in der Gegenwart ist das vollkommen unvorstellbar.


Kühe, Truthähne und 1500 Dollar. 
Seit Jahren zählen Masters-Tickets zu den am schwierigsten erhältlichen im Sportsektor, zudem müssen die Glücklichen für einen Matchtag zumeist deutlich mehr als den offiziellen Preis von 75 Dollar bezahlen. In der Vergangenheit hielt sich der Zuspruch in Grenzen – und das, obwohl sich der Eintritt auf knapp 2,20 Dollar belief.

Vielleicht mit ein Grund war das bitterkalte, raue Wetter. Zwar war der Termin bewusst gewählt, um der unerträglichen Sommerhitze in Georgia zu entgehen, allerdings erwiesen sich die Hoffnungen auf Frühlingstemperaturen Ende März als zu optimistisch.

1934 drehten Roberts und Jones entgegen MacKenzies Plan kurzerhand die Kurssetzung, aus den Back Nine wurden die Front Nine. Am 17. und vorletzten Loch gelang Horton Smith das entscheidende Birdie. Der Amerikaner durfte sich mit einem Schlag Vorsprung auf Craig Wood als erster Masters-Sieger feiern lassen. Bis heute ist Smith einer von nur drei Spielern, die ihr Masters-Debüt mit dem Sieg krönten. Er erhielt dafür 1500 Dollar.

Für das Folgejahr kehrte das Turnier zur ursprünglichen Lochreihung zurück, am geringen Interesse änderte dies jedoch nichts. Im Gegenteil, in den nächsten fünf Jahren sank die Teilnehmerzahl bis auf 46. 1940 wurde schließlich der bis heute gängige Termin in der ersten vollen Aprilwoche eingeführt. In den Jahren von 1943 bis 1945 fiel das Masters aufgrund des Zweiten Weltkrieg aus. Statt Golfspieler hatten 200 Kühe und 1400 Truthähne auf dem weitläufigen Gelände ihre Spielwiesen gefunden.

Nach Wiederaufnahme des Turniers erfasste der wirtschaftliche Aufschwung auch Augusta. Für den Ritterschlag sorgte 1948 Präsidentschaftskandidat Dwight D. Eisenhower, der sich als Mitglied einschrieb. Damit stieg auch das Interesse, 1956 übertrug CBS erstmals die Entscheidung auf den letzten vier Löchern landesweit.

Eisenhower blieb Augusta auch als Präsident treu, 29 Besuche sind belegt. Mit dem „Eisenhower Tree“ hinterließ er dem Klub ein Wahrzeichen. Regelmäßig soll er den Ball am 17. Loch an eine große Pinie geschlagen haben und vehement für deren Fällung eingetreten sein. Sein Wunsch ging aber erst 2014 in Erfüllung. Im Februar raffte ein Eissturm den Baum dahin.

Quelle: http://diepresse.com/home/sport/golf/1587117/Zwischen-Pinien-und-Magnolien